Das Interview führte: Carsten Köppl
Noch nicht ganz so bekannt wie Berlin, München oder Wien: Auch die Stadt Leipzig hat den Open-Data-Weg beschritten und ist schon im Mai mit einer Plattform online gegangen. Interessant: Die Daten werden mittels API-Schnittstelle bereit gestellt. Carsten Köppl sprach mit den Machern des Projektes: Michael Körner aus dem Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig, Matthias Petzold von Hybrid Art Lab und Projektleiter von API-Leipzig und Sven Windisch von TML-Consulting, beteiligt als Entwickler und Administrator.
Behörden Spiegel: Was ist API-Leipzig?
Petzold: Die API-Leipzig ist ein Projekt von verschiedenen Einzelakteuren, die sich für das Projekt zusammengefunden haben, um für öffentliche Daten der Stadt Leipzig im ersten Schritt eine maschinenlesbare Schnittstelle zu bauen. Eine Schnittstelle, die standardisierte Daten zur Verfügung stellt und das online maschinenlesbar anbietet.
Behörden Spiegel: Sie haben die API-Leipzig anders aufgezogen als andere Open-Data-Portale. Zum Beispiel sind Sie den Weg gegangen, das über Auftragnehmer erledigen zu lassen. Warum?
Körner: Das Projekt hat seinen ideellen Hintergrund im Leipziger Agenda-21-Prozess, einer offenen Bewegung von Leipziger Bürgerinnen und Bürgern sowie von privaten und öffentlichen
Institutionen.
Vor diesem Hintergrund wurde das API-Projekt im Rahmen des EU-Projektes Creative Cities in Federführung des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig initiiert und durchgeführt. Hinzu kommt die Förderstrategie der Stadt im Bereich Medien- und Kreativwirtschaft. Es war naheliegend, dass man in dieser kleinteiligen Branche anders arbeiten muss, so wurde ein Co-Working-Ansatz gewählt.
Wir haben die Branche eingeladen, um gemeinsam zu überlegen, was wir konkret machen können. Ein Open-Data-Server für die Kreativwirtschaft in Leipzig war dann die Idee. In einem Crowd-Sourcing-Workshop Ende 2010 mit über 30 Akteuren aus der Kreativwirtschaft wurden, dann ein Pflichtenheft erstellt.
Über die Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig wurde dann die Realisierung ausgeschrieben, auch mit einer Besonderheit: Wir haben gesagt, es müssen viele daran entwickeln, nicht nur eine Firma, sondern eine Community. Wir haben uns dann zwar einen Generalunternehmer gesucht, das Hybrid Art Lab, aber Bedingung war die Weiterbeauftragung vieler Kleinaufträge, dies musste gemanagt und koordiniert werden.
Das hat funktioniert und war in einem Vierteljahr “gegessen”. Für den Aufbau eines solchen Projektes finde ich das sehr erfolgreich. Wir waren im März eigentlich schon bereit, haben aber erst im Mai die Plattform veröffentlicht. Der wirtschaftsfördernde Gedanke dahinter war, Aufträge in der Region an viele kleine Unternehmen zu vergeben, die dann miteinander lernen und arbeiten.
Behörden Spiegel: Die Stadt Leipzig hat das Projekt aber bezahlt bzw. gefördert?
Körner: Es ist ein Geben und Nehmen. Die Stadt initiiert und bezahlt die Entwicklung. Die Unternehmerschaft trägt einen Eigenanteil durch die verringerten Stundensätze und durch das Engagement und die Weiterentwicklung der Plattform.
Behörden Spiegel: Was für Daten stehen derzeit online?
Windisch: Wir haben von der Stadt einen initialen Datenpool bekommen, an dem wir uns orientieren konnten für die Entwicklung. Das war das Branchenhandbuch im Bereich Medien- und Kreativwirtschaft. Eine zweite Datenquelle ist ein Veranstaltungskalender im Bereich Medien- und Kreativwirtschaft der Stadt Leipzig. Dort wollen wir ein bisschen abgehen vom eigentlichen API-Gedanken bzw. wollen auch eine interaktive Komponente haben, nämlich dass die Stadt und auch einzelne Kreativunternehmer der Stadt Leipzig ihre Veranstaltungen in den Kalender selbst einstellen.
Als dritte Datenquelle haben wir von dem Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig statistische Daten bekommen, da geht es um die Einwohnerzahlen der verschiedenen Leipziger Stadtteile, aufgeschlüsselt nach Alter, Geschlecht und den Nationalitäten, aus denen sie kommen, zusammen mit einer Übersicht der Postleitzahlen und Straßen Leipzigs. Das kennt man ja auch schon von anderen Portalen wie z. B. München, Wien oder bald Berlin.
Behörden Spiegel: Sind noch mehr Datenquellen geplant oder in der Pipeline?
Körner: Im Moment ist das ein Pilotprojekt. Ein Pilotprojekt heißt so, weil es Erfahrungen sammeln muss im Umgang. Wie akquiriert man Datenquellen? Welche Datenquellen passen zueinander?
Es ist ja eine freie Plattform der Leipziger Kreativwirtschaft, jeder könnte dort theoretisch Daten einstellen. Zum Beispiel wollte jemand Leipziger Rodelberge in die API stellen. Wir werden mit Ideen konfrontiert, an die wir niemals gedacht haben. Wir haben den richtigen Weg noch nicht, wir suchen da auch den Austausch mit Berlin und München.
Für die Weiterentwicklung ist bei uns eine stärkere Einbindung der Verwaltung gefragt. Für eine Leipziger Open-Data-Strategie, aufbauend auf den Erfahrungen mit dem API-Server, brauchen wir nicht nur die Wirtschaftsförderung, sondern auch den E-Government-Beauftragten und die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Leipzig. Die Erfahrungen des Pilotprojektes werden uns hier helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Windisch: Da es sich um einen Communityprozess handelt, der zwar von der Stadt angestoßen wurde, aber nicht zentral von dort gesteuert wird, haben sich innerhalb der Entwicklergemeinde relativ schnell auch verschiedene Interessensgruppen gebildet. So hat sich erst vor wenigen Wochen eine Gruppe von Unterstützern gebildet, die sich intensiv Gedanken darüber macht, was für Daten für die API geeignet wären. Da geht es vor allem um Daten, die schon im Netz veröffentlicht sind und die jeder benutzen kann. Meist sind diese dann im PDF- oder Excel-Format gefangen und wir würden sie befreien und in den API-Server einspeisen.
Behörden Spiegel: Das sind Daten von der Verwaltung oder von Dritten?
Windisch: Sowohl als auch. Natürlich auch Verwaltungsdaten, die sozusagen im Netz schon frei verfügbar sind. Man denkt da etwa an das Schulnetz Leipzig. Aus dem Privatbereich gab es jenseits dieser Rodelberginitiative noch nicht sehr viel.
Das hängt aber damit zusammen, dass wir jenseits der Kreativwirtschaft noch nicht wirklich bekannt sind. Das wird sich aber sicherlich mit dem geplanten Workshop Ende September ändern.
Behörden Spiegel: Wie sieht es mit der Lizenz- und Kostenfrage aus, ist die schon geregelt?
Körner: Wir haben bei einer Rechtsanwaltskanzlei angefragt, wie wir die Plattform lizenzrechtlich sauber gestalten und aufbauen müssen. Im Moment folgen wir der Empfehlung aus Berlin, der Creative-Commons-Zero-Lizenz, welche die freie Benutzung und die Rechteabtretung regelt.
Behörden Spiegel: Damit ist auch die Weiterverwendung, auch für kommerzielle Zwecke, frei.
Körner: Ja. Wir haben aber ein Problem, welches wir noch nicht gelöst haben. Wenn wir als Anbieter einer API, einer offenen Datenschnittstelle, fungieren, gibt es Applikationen, die auf diesen Servern aufbauen. Das ist ja eigentlich auch das Ziel. Jetzt kommen wir zu dem Punkt: Wenn der Server ausfällt und jemand hat eine Applikation basierend darauf aufgebaut und diese funktioniert dann nicht mehr, wer ist dann juristisch verantwortlich? Da müssen wir uns noch absichern.
Behörden Spiegel: Kurz zum Verständnis: Man kann die Daten bei Ihnen nur nutzen und nicht in Gänze abrufen?
Windisch: Im Prinzip ist beides möglich. Sie können die Daten im Hintergrund bei uns abfragen. Dann machen Sie sich abhängig von der Verfügbarkeit unseres Servers. Die andere Möglichkeit ist, dass Sie die Daten bei uns Stück für Stück abfragen und lokal bei sich merken. In diesem Fall ist es egal, ob unsere Server ausfallen oder nicht.
Behörden Spiegel: Gibt es schon Beispiele für die Nutzung der Daten?
Petzold: Die Nutzung ist noch relativ gering. Das Branchenhandbuch wurde während der Entwicklung auf einer Karte visualisiert. Ansonsten brauchen wir noch etwas Zeit. Wir planen aber einen Workshop und einen Wettbewerb, um die Anwendungsproduktion anzuregen.
Behörden Spiegel: Einen Apps-Wettbewerb?
Petzold: Ja schon. Der Anwendungswettbewerb ist am 1. September gestartet und geht bis zum 24. Oktober. Für den Wettbewerb gibt es ein Preisgeld in Höhe von 1.337 Euro. In der Hälfte der Einreichefrist, am 24.09., wird ein Workshop stattfinden. Dieser heißt “API at Work” und es sind alle Interessierten eingeladen. Man wird sich mit Konzepten für Anwendungen auseinandersetzen, mit Lizensmodellen und Programmiersprachen. Für weitere Informationen gibt den Webseite APILeipzig.de und außerdem eine Facebook-Gruppe, die sich mit Aktualitäten auseinandersetzt. Jeden dritten Dienstag im Monat findet ein API-Treffen in Leipzig statt, zu dem herzlich eingeladen wird! Die inhaltlichen Daten für den Workshop werden seit dem 01.09.2011 auf der Webseite www.apileipzig.de präsentiert.
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2 Antworten bis jetzt ↓
1 Janet Daniel // Apr 1, 2012 at 16:28
Ein interessantes Projekt!
Im Text hat sich jedoch ein kleiner Fehler eingeschlichen. Herr Körner spricht sicherlich von “Creative Commons”, nicht von “Creative Commence”.
2 cko // Apr 2, 2012 at 09:14
Danke! Korrigiert!
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