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“i mog di” – München startet Open-Government-Projekt

November 30th, 2010 · 6 Kommentare

Autor: Carsten Köppl

Am 1. Dezember startet in München der “MOGDy“. Im Interview spricht Dr. Marcus Dapp, Initiator des MOGDy, und IT-Strategen der bayerischen Landeshauptstadt, über die Ziele des Projektes und über den eigentlichen Ursprung des Projektnamens.

government2020.de: Was ist der MOGDy?

Marcus Dapp: Der Begriff steht für Munich Open Government Day oder Münchner Tag der Offenen Verwaltung. Anders als der Name vermuten lässt, zieht sich das Projekt aber über einige Monate. Wir starten am 1. Dezember.
MOGDy ist ein Online-Projekt mit zwei Zielen. Zum Einen sollen die Bürger eingeladen werden, ihre Wünsche, Ideen, Vorschläge und Erwartungen an das digitale München der Zukunft auf einer Webseite zu sammeln und zu bewerten. Diese Phase soll etwa sieben Wochen, also bis Ende Januar 2011 dauern. Im Anschluss daran wird es eine Veranstaltung im Alten Rathaussaal geben, das MOGDy-Camp, bei der wir die Vorschlagsliste fixieren und der Stadt übergeben.
Das zweite Ziel des MOGDy ist es, im Anschluss an die Ideen-Sammel-Phase, einen Programmierwettbewerb zu initiieren. Die Stadt München wird bis dahin einen Satz Infrastrukturdaten in maschinenlesbarer Form freigeben und wir laden die Entwicklergemeinde ein, mit diesen Daten nützliche und sinnvolle oder auch witzige Applikationen für Smartphones oder für das Web selbst zu programmieren. Natürlich gibt es eine Jury und auch Preise. Wir wollen mit dem Projekt herausfinden, was aus diesen Daten gemacht werden kann, wenn sich die Kunden- oder Nutzerseite selbst überlegt, was sie gerne hätte.

Dr. Marcus Dapp

Dr. Marcus Dapp, IT-Stratege der Landeshauptstadt München, ist Initiator des ersten Apps4Cities-Wettbewerbs in Deutschland. Foto: privat

government2020.de: Ist es das erste Projekt dieser Art in Deutschland?

Marcus Dapp: Wir bilden uns zumindest ein, die ersten zu sein.

government2020.de: Wie kam es zu dieser Idee?

Marcus Dapp: Ich arbeite selbst in der IT-Strategieabteilung und wir haben uns Ende letzten Jahres überlegt, dass das Thema Open Government sehr interessant ist und dass wir das gerne angehen möchten. Wir haben der IT-Kommission Vorschläge gemacht, was man machen könnte und einer davon war diese Projektidee. Damit wählten wir einen ganz operativen Einstieg in das Thema Open Government, der durchaus auch viel mehr strategisch hätte ausfallen können. Ich habe dann den Auftrag bekommen, mir ein Konzept für dieses Projekt zu überlegen. Ein ganz netter Einfall war der mit den Lebkuchenherzen, die wir beim Oktoberfest sowieso immer verteilen.

government2020.de: Lebkuchenherzen?

Marcus Dapp: Da steht drauf: “I mog di”, also ganz bayerisch für “ich mag dich” und daher auch der Projektname: MOGDy, “I MOGDy”.

Das Konzept war damit geboren und ich habe mich auf den Weg gemacht und Kontakte mit der Community aufgebaut. Dabei hat sich herausgestellt, dass eine Zweiteilung eine gute Sache wäre. Eines unserer Partnernetzwerke, der Open Data Network e.V. in Berlin, meinte, dass er eine Kommune in Deutschland sucht, die ein solches Projekt erstmals umsetzt. Das ist natürlich ein Argument, dass wir in München ganz gut verkaufen konnten, weil wir hiermit ein Pionier auf diesem Gebiet sind. Das kam gut an.
Das eine Standbein ist also die Bürgerbeteiligung an der E-Government-Planung in München. Viele Vorschläge werden sich vermutlich um die Gestaltung der Website www.muenchen.de drehen. Dieses Projekt, also ein Relaunch für muenchen.de, läuft auch schon. Wir erwarten aber auch Vorschläge, dass Behördengänge neu online gestellt werden können. Dabei geht es dann auch um langfristige Prozessentwicklung, die in einem strategischen Konzept ausgearbeitet werden soll.

government2020.de: Es soll also eine Art Prioritätenliste entstehen?

Marcus Dapp: Das ist die Idee. Durch die Vorschläge und das angebotene Rating erfahren wir, was gewünscht ist und wo wir zuerst einsteigen müssen.

government2020.de: Der andere Teil von MOGDy ist an den US-Wettbewerb “Apps 4 democracy” angelehnt?

Marcus Dapp: Ja, wir nennen das Projekt deshalb auch “Apps4cities”. Bewusst haben wir es nicht “Apps4Munich” genannt, weil es ein Open Source Wettbewerb sein soll und die Applikationen, die erstellt werden, sollen dann auch auf andere Kommunen übertragbar sein.

government2020.de: Was könnten das für Anwendungen sein?

Marcus Dapp: Vielleicht möchte jemand etwas vorschlagen, was täglich gebraucht wird, also aus dem Bereich öffentlicher Verkehr oder nützliche Terminplanung, aber der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es geht immer um die Frage: Was kann mit den dann freigegebenen Daten gemacht werden? Nützliche Anwendungen sind genauso möglich, wie Analysen und Weiterverarbeitungen. Ich will jetzt keine konkreten Beispiele nennen, sonst könnte das dazu führen, dass die Teilnehmer das Gefühl bekommen, in ihrem Ideenreichtum eingeschränkt zu werden, der Wettbewerb soll aber ganz offen gehalten werden.
Wir wollen gerne auch neue Nutzenpotentiale erschließen, die die Stadt vielleicht aus Kapazitätenmangel nicht selbst machen kann. Ähnlich wie private Firmen unter dem Stichwort Open Innovation ihre Kunden in die Produktentwicklung einbeziehen, will der Ansatz Open Government die Bürger in die digitale Ausgestaltung der Stadtverwaltung einbeziehen.

government2020.de Gab es in der Vorbereitung des MOGDy verwaltungsrechtliche Hürden, die Sie nehmen mussten?

Marcus Dapp: Wir hatten sehr viel Zustimmung für das Projekt, bei der Verwaltung und der Politik. Es gab seitens der Politik aber auch Bedenken wegen der Anonymität: Alle können sich registrieren und mitmachen, eine Überprüfung der Nutzer ist nicht machbar. Stellt sich also die Frage: Was machen wir, wenn wir die Vorschläge gar nicht umsetzen können oder wollen? Das kann passieren, das sind berechtigte Bedenken. Man schafft ein Forum und kann den Ansprüchen gar nicht genügen. Ich sage dazu: Das ist kein großes Problem, denn wenn wir den Bürgern erklären aus welchem Grund etwas nicht umgesetzt werden kann, dann werden die das auch verstehen. Wir müssen authentisch und transparent von Anfang an sein. Wir machen eine verbindliche Aussage, insofern, dass wir die Vorschläge anschauen und über die Umsetzungsmöglichkeiten beraten. Aber wir werden nicht im voraus garantieren können, dass die top zehn Vorschläge der Nutzer dann auch umgesetzt werden.
Ein anderes schwieriges Thema ist die rechtliche Seite der Datenfreigabe. Da haben wir noch keine Patentlösung gefunden. Amtliche Werke unterliegen nicht dem Urheberrecht, könnten also freigegeben werden. Aber natürlich ist das Thema Datenschutz ein guter Grund, Verwaltungsdaten nicht freizugeben. Der MOGDy gibt keine personenbezogenen Daten frei, das würde abgesehen von der rechtlichen Seite auf nicht der Idee entsprechen. Wir wollen Infrastrukturdaten, die Nutzen stiften können anbieten und das tun personenbezogene Daten in der Regel nicht. Das ist also eher unkritisch. Wir unterscheiden Daten in zwei Kategorien: Nützliche Daten, die sich für Apps eignen und Infrastrukturdaten, in aggregierter Form auch über Personen. Unser Schwerpunkt ist momentan der App-Wettbewerb. Wir erwarten aber auch Vorschläge, die beinhalten, dass Daten der zweiten Kategorie frei gegeben werden, damit diese verarbeitet werden können. Das Wichtigste ist, den IdeenProzess ganz offen zu gestalten und alle Ideen zu zulassen. Gerade das macht das Projekt auch so spannend!

http://www.muenchen.de/mogdy
http://twitter.com/MOGDy

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Tags: IT / E-Government

6 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 cko // Dez 1, 2010 at 19:17

    netzpolitik.org schreibt: “Zum Auftakt des MOGDy gibt es ein interessantes Interview mit Marcus Dapp beim Behördenspiegel: “i mog di” – München startet Open-Government-Projekt:

    Im Interview spricht Dr. Marcus Dapp, Initiator des MOGDy, und IT-Strategen der bayerischen Landeshauptstadt, über die Ziele des Projektes und über den eigentlichen Ursprung des Projektnamens.”

  • 2 cko // Dez 1, 2010 at 22:11

    Open Data Network schreibt: “Es ist also tatsächlich soweit. Heute Abend ist der offizielle Start des Munich Open Government Day. Zum Auftackt hier ein Interview mit dem Behördenspiegel: “i mog di” – München startet Open-Government-Projekt”.

  • 3 cko // Dez 1, 2010 at 22:26

    Zeit Online Open Data Blog schreibt:
    Als “schwieriges Thema” bezeichnet der Organisator des MOGDy, Marcus Dapp von der Stadt München, die “rechtliche Seite der Datenfreigabe”. In einem Interview mit dem Staatsmodernisierungsblog “government 2020″ stellte er fest: “Da haben wir noch keine Patentlösung gefunden. Amtliche Werke unterliegen nicht dem Urheberrecht, könnten also freigegeben werden. Aber natürlich ist das Thema Datenschutz ein guter Grund, Verwaltungsdaten nicht freizugeben. Der MOGDy gibt keine personenbezogenen Daten frei, das würde abgesehen von der rechtlichen Seite auch nicht der Idee entsprechen. Wir wollen Infrastrukturdaten, die Nutzen stiften können, anbieten.”

  • 4 MOGDy: Abstimmung eröffnet – tobiaskut.de - Open Source | Content Management | Redaktion // Dez 2, 2010 at 09:37

    [...] zur Abstimmungseröffnung gibt’s auch weitere Hintergrundinfos im Netz. Darunter ein Interview mit Dr. Marcus Dapp, Initiator des MOGDy sowie einige Interessante Infos von Lorenz Mazat zu den Hintergründen der [...]

  • 5 RalfLippold // Dez 2, 2010 at 10:07

    …. gespannt mehr zu hören. München – Dresden, das könnte eine gute Verbindung werden. TimBernersLee sprach erst im Sommer über #OpenData #OpenGov beim http://dresdner-zukunftsforum.de

  • 6 i” – München startet Open-Government-Projekt « Opendataberlin's Blog // Dez 3, 2010 at 17:55

    [...] Marcus Dapp: Der Begriff steht für Munich Open Government Day oder Münchner Tag der Offenen Verwaltung. Anders als der Name vermuten lässt, zieht sich das Projekt aber über einige Monate. Wir starten am 1. Dezember. MOGDy ist ein Online-Projekt mit zwei Zielen. Zum Einen sollen die Bürger eingeladen werden, ihre Wünsche, Ideen, Vorschläge und Erwartungen an das digitale München der Zukunft auf einer Webseite zu sammeln und zu bewerten. Diese Phase soll etwa sieben Wochen, also bis Ende Januar 2011 dauern. Im Anschluss daran wird es eine Veranstaltung im Alten Rathaussaal geben, das MOGDy-Camp, bei der wir die Vorschlagsliste fixieren und der Stadt übergeben. Das zweite Ziel des MOGDy ist es, im Anschluss an die Ideen-Sammel-Phase, einen Programmierwettbewerb zu initiieren. Die Stadt München wird bis dahin einen Satz Infrastrukturdaten in maschinenlesbarer Form freigeben und wir laden die Entwicklergemeinde ein, mit diesen Daten nützliche und sinnvolle oder auch witzige Applikationen für Smartphones oder für das Web selbst zu programmieren. Natürlich gibt es eine Jury und auch Preise. Wir wollen mit dem Projekt herausfinden, was aus diesen Daten gemacht werden kann, wenn sich die Kunden- oder Nutzerseite selbst überlegt, was sie gerne hätte. http://www.government2020.de/blog/?p=434 [...]

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