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Warten auf Mobile Apps von deutschen Behörden

August 30th, 2010 · 9 Kommentare

Autor: Prof. Dr. Jörn von Lucke

Anwendungen oder Applikationen werden mittlerweile als „Apps“ bezeichnet. Sie beeindrucken besonders auf dem Handy, wenn man sie sich herunterladen und sofort intuitiv nutzen kann.
Die US-amerikanische Bundesregierung experimentiert seit einiger Zeit mit verschiedenen Apps: Im Portal Apps.gov finden sich bereits vielfältige Angebote zu Business Apps, Cloud IT Services, Productivity Apps und Social Media Apps. Speziell im Bereich der mobilen Apps hat die US-Bundesregierung seit Juli 2010 auf dem Portal USA.gov ein zusätzliches neues Angebot zusammengestellt. Auf der Portalplattform werden mobile Webseiten und Apps gebündelt, die von verschiedenen Behörden auf Basis frei zugänglicher Verwaltungsdaten (Open Data) entwickelt wurden.

In den USA darf jede Bundesbehörde selbst entscheiden, auf welcher Betriebssystemplattform sie mobile Anwendungen entwickeln möchte. Dies hat eine große Angebotsvielfalt zur Folge: Unter den verfügbaren Apps finden sich 13 mobile Webangebote, die endgeräteunabhängig abgerufen werden können, sowie zwei Android Apps, ein Blackberry App und sechs iPhone Apps (USA.gov News — August 2010).

Mit Blick auf die zu erwartende Nachfrage der Bürger und die vorhandenen Angeboten in den eingerichteten, umsatzträchtigen AppStores werden sich Behörden und Gebietskörperschaften in Deutschland in den kommenden Wochen Gedanken machen, ob, wie und in welchen Formaten sie mobile Apps anbieten wollen.

Deutsche Government Apps

So könnten deutsche Behörden Apps z.B. für das iPhone aussehen. Grafik: JvL, Quelle: Wikipedia

Entwürfe zum Layout der Bedienelemente (Icons) können dabei nur Blickfänger sein. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen noch über die erforderlichen zusätzlichen Ressourcen verfügen, sich auch noch um diesen weiteren Vertriebskanal für Verwaltungsangebote zu kümmern.

Mit Blick auf die skizzierte Plattform- und Standardvielfalt, prorietäre Anbieter und deren Geschäftsmodelle muss in der Tat eine strategische Fragestellung gelöst werden. Welche Standards und Betriebssysteme sollen unterstützt werden? Wie kann dem Wunsch der Politik nach offenen Daten, Standards, Schnittstellen, Software und Wertschöpfungsketten bei Apps der Verwaltung entsprochen werden? Welche Kosten und welcher konkrete Nutzen sind damit für die öffentliche Verwaltung verbunden? Am effizientesten wäre sicherlich ein mobiles Webangebot, das von allen Handys abgerufen werden könnte und vorhandene Inhalte und Anwendungen wiederverwertet. Ein solcher Ansatz ließe sich ganz im Sinne eines vertikalen Mehrkanalansatzes auch effizient realisieren, würde doch nur über einen weiteren Kanal auf das bestehende Content-Management-System zurückgegriffen.

Alternativ kommen für eine Umsetzung auch offene Plattformen in Betracht, was dem Wunsch einer Öffnung von Staat und Verwaltung (Open Government) entsprechen würde. Wie aber geht man mit dem berechtigten Wunsch der Behörden nach eigenen Lösungen, etwa nach mobilen Lösungen mit GPS-Funktionalität oder iPhone-Apps um, unter Berücksichtigung von Ressortprinzip und kommunaler Selbstverwaltung? Werden hier keine gemeinsamen strategischen Vorgaben getroffen, fängt jeder Akteur mit eigenen Aktivitäten an. Apps.USA.gov zeigt uns, wohin diese Vielfalt führen kann. Genug Phantasie ist beim Blick auf den Bund, 16 Länder, 301 Kreise, 111 kreisfreien Städte und über 10000 Gemeinden bei uns allen vorhanden.

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Tags: IT / E-Government

9 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Be-Treff | Blog | Verwaltung goes Appstore // Sep 10, 2010 at 19:18

    [...] bis hin zu Paul dem heiligen Fußballorakel. Eben las ich nun diesen Beitrag auf Government2020.de: http://www.government2020.de/blog/?p=284 Grob gesagt werden dort die Probleme, welche die Einführung von Apps der öffentlichen Verwaltung [...]

  • 2 Canape - kleine Happen vom Sofa » Blog Archive » Frag dich doch mal, was dein Land für dich tun kann - Verwaltungs-Apps? // Sep 16, 2010 at 00:23

    [...] sind, scheint es natürlich nahe zu liegen, dass auch Verwaltungen mobile Apps brauchen (s. “Warten auf Mobile Apps von deutschen Behörden“). Da spricht ja auch gar nichts dagegen – ganz im Gegenteil: Wenn sich manche [...]

  • 3 Jan Dark // Sep 20, 2010 at 01:00

    Nach dem EU-DLR-Hype nun der APPs-Hype. Imme ran der Realität duetscher Verwaltung vorbei. Der BMI hat den Einsatz von Blackberrys und iPhones verboten, weil in Deutschalnd das, was öknomisch Sinn macht, immer aus “Sicherheitsgründen” verboten ist. In UK reicht höchstrichterlich als Signatur eine ASCII-Zeichenkette mit Namen unter einer Mail. Weil wir baer besonders sond, brauchen wir eine qualifizierte Signatur. Damit sind dann alle modernen Themen tot und die Verwaltung hat es erreicht, sich nicht mit modernen Themen beschäftigen zu müssen. Bei der EU-DLR haben wir es geschafft, die qual. Signatur verbindlich zu machen, also haben wir es geschafft, weiter auf Papier zu arbeiten. Und die gleichen Leute, die bei der EU-DLR versprochen haben, jetzt wird alles modern, predigen jetzt Apps in Clouds, wohl wissen, dass der BMI Mobilität verboten hat. So what? Science fiction statt Verwaltungsmoderniersierung? Doch lieber Perry Rhodan statt Internetnutzung?

  • 4 PW // Sep 20, 2010 at 14:19

    Nette Idee und sicherlich auch gut geeignet, den nächsten Behördenhype durch das virtuelle Verwaltungsdorf zu treiben.

    Wie immer im Leben (und ganz besonders im steuerfinanzierten Umfeld) kommt es aber auf den Sinn und Nutzen an. Hierzu schreibt der Verfasser leider recht wenig / nichts Konkretes. Außer Worthülsen (OpenGovernment…) und Spesen, nichts gewesen?

    Nein, bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin ein absoluter Verfechter mobiler Applikationen und seit recht langer Zeit auch ein intensiver Nutzer solcher. Ohne mobiles Internet kann ich mir mein Leben kaum noch vorstellen… Ich nutze Apps in Massen, aber immer bezogen auf konkrete Bedarfe / Anwendungsfälle. Nur Apps zu haben, um auch schone bunte Buttons im Store (als 1.365.698 Anwendung) zu sehen, ist definitiv nicht des Rätsels Lösung.

    Also, bitte mal konkret werden!

  • 5 eGovernment wird mobil | CommunalConsult Tirol // Sep 22, 2010 at 09:19

    [...] der Bürger leichter machen sollen. Prof. Dr. Jörn von Lucke berichtet auf government2020 in einem Blogbeitrag über diese [...]

  • 6 Peter Winninger // Jan 28, 2012 at 14:19

    1 1/2 Jahre sind ins Land gegangen – und die Kommunen haben sich bewegt. Es gibt einige Beispiele zu kommunalen App´s – und es werden mehr. Ich selbst habe über einige Initiativen berichtet.
    Es wäre nicht schlecht, wenn auch der Behördenspiegel einen zweiten Blick auf die mobile Welt werfen würde. Vieles hat sich bewegt – und vielleicht kann man mit einem erneuten Artikel noch etwas mehr Schwung in die Sache bringen.

  • 7 carsten köppl // Jan 29, 2012 at 11:03

    @Peter Winninger: Ja, ich habe das auch ein bisschen mitverfolgt. Es gibt auch eine Diskussion darüber, wie sinnvoll es ist, dass jede Stadt nun selbst startet mit der Entwicklung von Apps. Vielen Dank für die Anregung. Wir werden uns damit noch Mal auseinandersetzen.

  • 8 Internetauskunft // Mrz 4, 2014 at 11:28

    Ich denke nicht, dass der Amtsschimmel wirklich in Deutschland auf die Idee kommt, Apps zu entwickeln. Schließlich sind auch die Möglichkeiten der Behörden in Sachen digitaler Kommunikation begrenzt, was aber nicht unbedingt negativ bewertend zu verstehen sein soll.

  • 9 Carsten Klipstein // Dez 1, 2014 at 12:32

    Wie schnell die technische Entwicklung ist, zeigt dieser Beitrag anschaulich: 2010 noch eine sehr zutreffende Sachstandsanalyse hat sich die praktische Bedeutung von (nativen) Apps nach nunmehr vier Jahren m.E. inzwischen deutlich relativiert bzw. wurde von neuen technischen Möglichkeit überholt.

    In den meisten Anwendungsfällen von Apps im Bereich E-Government können diese inzwischen dadurch ersetzt werden, dass die Internet-Angebote und selbst komplexe Anwendungen über ein sog. responsives Frontend so gestaltet werden, dass sie bequem auch über mobile Endgeräte genutzt werden können. Voraussetzung ist natürlich, dass im Fall von echten „Anwendungen“ diese auch webbasiert, d.h. über einen Internet-Browser bedient werden können.

    Selbst wenn für mobile Endgeräte ein gesondertes Frontend angeboten werden soll, kann dies über Internet-Seiten bzw. Anwendungen auf Basis der gleichen Technologie (HTML 5) realisiert werden. Ergebnis sind sog. Web Apps, die im Kern nur eine für mobile Endgeräte optimierte HTML-Seite darstellen und bereits durch ihre Plattformunabhängigkeit m.E. den „nativen“ bzw. echten Apps teilweise überlegen sind. Ein wesentlicher Vorteil ist auch, dass man diese direkt anbieten kann und nicht über die sog. App Stores von Apple, Google & Co. gehen muss, deren Geschäftsbedingungen nicht nur für die Öffentliche Hand regelmäßig problematisch sind. Für solche Anwendungen gibt es inzwischen auch eine Reihe guter Beispiele: Angefangen bei einer (Web) App zur Suche nach Kitas in NRW oder zur Nutzung der Verwaltungssuchmaschine.

    Vor jeder Neuentwicklung einer App sollte daher inzwischen die Frage gestellt werden, ob die Gestaltung eines responsiven Frontends der Anwendung oder alternativ einer sog. (plattformunabhängigen) Web App nicht wirtschaftlicher und zukunftsfähiger ist, als die Entwicklung einer (nativen) App.

    @Herr Köppl, dieser Aspekt dürfte auch die Frage, ob jede Kommune nun eigene Apps entwickeln soll in einzelnen Fällen relativieren: Eigene Apps vielleicht nicht, aber beim nächsten Relaunch auf ein responsives Frontend achten!?

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