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Schulplanung in fünf Minuten

Dezember 13th, 2016 · Keine Kommentare

Berlin-Schöneberg: Open-Data-Projekt zur Verwaltungsmodernisierung

Autor: Carsten Köppl

32.200 Kinder wurden im September 2016 in Berlin eingeschult. Nicht immer entsprach die Grundschule den Vorstellungen der Eltern. Dadurch gab es zahlreiche Widersprüche oder Klagen. Jahr für Jahr kostet dieser Vorgang bei Eltern, Schulen und Behörden Nerven und zumindest auf staatlicher Seite auch Geld und Personal. Hier könnte ein neues IT-Tool auf Basis von offenen Daten nun helfen, ein erster Prototyp soll im Bezirk Tempelhof-Schöneberg zum Einsatz kommen.

Open Data in der Schulplanung: Benutzeroberfläche des neuen Tools, dass zukünftig im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg bei der Berechnung der Schuleinzugsgebiete helfen soll. Screenshot: BS/idalab

Open Data in der Schulplanung: Benutzeroberfläche des neuen Tools, dass zukünftig im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg bei der Berechnung der Schuleinzugsgebiete helfen soll. Screenshot: BS/idalab

Was viele nicht wissen: Der Einzugsbereich einer Grundschule hängt von vielen Faktoren ab. Möglichst kurzer, aber auch gefahrloser Schulweg – gefährliche Kreuzungen, Parkanlagen, dunkle Unterführungen sollen vermieden werden. Neben der Auslastung der Schule und den Klassengrößen haben die Schulplaner auch die soziale Zusammensetzung im Blick. Zudem können Eltern die von ihnen priorisierten Schulen bei dem Berliner Schulamt angeben.

Sechs Wochen ausgezählt

Die derzeit im Bezirk Tempelhof-Schöneberg geltenden Einzugsbereiche stammen aus dem Jahr 2012. “Damals haben wir zu zweit über sechs Wochen daran gearbeitet. Wir haben händisch die Kinder hausnummerngenau ausgezählt, auf Basis der Daten, die uns das Statistische Landesamt übermittelt hatte”, erinnert sich die scheidende Bezirksstadträtin für Jugend und Bildung, Jutta Kaddatz. Kaddatz, die nach der Berliner Wahl Stadträtin für Bildung (allerdings ohne Schule), Kultur und Soziales ist, hat das Open-Data-Projekt zusammen mit Sebastian Askar, zuständig für Open Data bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie Berlin, angestoßen. Nachdem die Verwaltung einen Entwurf der Einzugsbereiche vorbereitet hat, muss noch die Bezirksverordnetenversammlung zustimmen. “Das ist ein politischer Prozess, der auch von subjektiven Einschätzungen überlagert wird”, sagt Kaddatz. So ist es auch ihrem damaligen Entwurf ergangen, der von der BVV an einigen Stellen abgeändert wurde. “Wir leiden heute unter einigen dieser Entscheidungen”, kritisiert der Schulentwicklungsplaner des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, Steffen Künzel. Zum Beispiel als eine Grundschule zu einer Gemeinschaftsschule ausgebaut wurde. Gemeinschaftsschulen haben keinen Einzugsbereich, da es sich dabei um einen Schulversuch handelt. Der ehemalige Einzugsbereich der in der Gemeinschaftsschule aufgegangenen Grundschule wurde auf zwei andere Schulen verteilt. “Das führte dazu, dass bei einigen Kindern der Schulweg zu lang (über zwei Kilometer) wurde. Das ist nicht gesetzeskonform. Wir müssen jetzt Jahr für Jahr individuelle Lösungen für diese Kinder finden bzw. eine zusätzliche Klasse an einer benachbarten Schule einrichten.” Eine der beiden betroffenen Schulen mit einer Kapazität von 91 Plätzen wuchs im Einzugsbereich auf 380 Kinder. “Bis Juni, kurz vor den Ferien, haben wir mit viel Initiative der Verwaltung an dieser Situation gearbeitet”, erläutert Künzel. Auch hier greifen gesetzliche Vorgaben, eine Grundschulklasse darf, bis auf wenige Ausnahmen, nicht über 26 Kinder umfassen. Hinzu kommen systemabhängige Widrigkeiten: Wenn Eltern einen Wechselwunsch haben, bleibt das Kind so lange bei der Einzugsgebietsschule gemeldet, bis die neue Schule
den Wechsel bestätigt hat, dadurch kommt es quasi zu Doppelzählungen.

Mehr Transparenz für alle

Mit dem neuen Programm verbindet das Schulamt des Bezirks Tempelhof-Schöneberg nun viele Hoffnungen. “Das Tool kombiniert die rechtlichen Vorgaben mit der tatsächlichen Situation auf einer kartenbasierten Darstellung. Jetzt können wir Änderungen an den Einzugsgebieten ganz einfach computergestützt durchspielen”, erläutert Kaddatz. Dadurch soll sich die Transparenz und damit auch die Akzeptanz der Schulplanung vergrößern. “Wir müssen die BVV, die Schulkonferenzen und die Eltern von unserer Planung überzeugen. Das geht dann hoffentlich viel einfacher und objektiver, indem man die Folgen von Entscheidungen schnell und optisch nachvollziehbar darstellen kann”, formuliert Schulentwicklungsplaner Künzel seine positiven Erwartungen. “Mit schulpflichtigen Kindern, Schulkapazitäten, Wegen, Bevölkerungszahlen bis hin zu Sozialfaktoren haben wir alle relevanten Daten im Tool abgebildet”, erläutert Sebastian Askar von der Senatsverwaltung. Die Daten waren zu 80 Prozent bereits als offene Daten über das Datenportal von Berlin www.daten.berlin.de verfügbar. Einige mussten vom Statistischen Landesamt besorgt werden, wieder andere Daten sind personenbezogen und dürfen nicht offen gestellt werden.

“Wenn die Verwaltung stärker mit Daten arbeitet, können die Ergebnisse verbessert und es kann effizienter gearbeitet werden, dass zeigt diese Lösung.”

“Es stecken etliche Entwicklertage in dem derzeit verfügbaren Prototyp. Wir haben dabei mit dem Berliner Unternehmen idalab zusammengearbeitet und auch die Community hat Engagement reingesteckt”, erläutert Annette Kleffel von der Technologiestiftung Berlin (TSB). Neben der Technologiestiftung hat auch die Stiftung Neue Verantwortung das Projekt finanziell unterstützt. “Mathematisch gesehen ist die Zuschneidung von Grundschul-Einzugsgebieten ein komplexes kombinatorisches Optimierungsproblem mit nicht-linearer, multikriterieller Zielfunktion. Klar hatten wir Lust, das zu lösen!”, so Daniel Kirsch von der idalab GmbH. Das Tool selbst steht als Open Source zur Verfügung. Die Beteiligten hoffen nun, dass auch andere Bezirksverwaltungen von diesem Tool Gebrauch machen. Der Prototyp steht kostenfrei zur Verfügung, allerdings kostet die Implementierung in die jeweilige Bezirksverwaltung rund zehn bis fünfzehn Entwicklertage. “Uns war wichtig, zu zeigen, dass Open Data einen Beitrag zur Verwaltungsmodernisierung leisten kann”, erläutert Askar. “Wenn die Verwaltung stärker mit Daten arbeitet, können die Ergebnisse verbessert und es kann effizienter gearbeitet werden, dass zeigt diese Lösung.”

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Tags: Verwaltungsmodernisierung

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