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Open Government Collaboration – Beiträge der öffentlichen Verwaltung zur Shareconomy

Februar 14th, 2013 · Keine Kommentare

Die CeBIT lädt 2013 die Aussteller und Besucher nach Hannover ein, sich im Kontext des Leitthemas „Shareconomy“ zu positionieren und zu informieren. Mit dem neuen Motto wird „die Veränderung des gesellschaftlichen Verständnisses vom Haben zum Teilen“ in den verschiedenen Dimensionen einer vernetzten Zusammenarbeit umschrieben. Die Wahl von Shareconomy sei das Ergebnis eines mehrstufigen Auswahlprozesses. „Für die Wirtschaft und auch für die Gesellschaft ist ‚Shareconomy‘ derzeit DAS heiß diskutierte Thema.“ argumentiert Frank Pörschmann, CeBIT-Vorstand der Deutschen Messe AG. „Shareconomy greift die Entwicklung der Vernetzung und neuen Offenheit in ihren unterschiedlichen Facetten auf.“

In der Tat verändern sich Wirtschaft und Gesellschaft durch die neuartigen technischen Möglichkeiten des Internets, der Social Media und mobiler Endgeräte (wie Smartphones) substantiell. Vernetzung und Offenheit kann in ganz anderen Dimensionen gelebt werden, als dies in der klassischen „1.0-Welt“ vorstellbar gewesen ist. Zwar dominieren proprietäre und geschlossene Geschäftsmodelle noch viele Branchen, doch ermöglichen offen angelegte Geschäfts- und Innovationsmodelle, Kennzeichen der Shareconomy, sehr viel bessere Entwicklungsperspektiven. Der rasante Erfolg des mobilen Betriebssystems Android, das auf Offenheit basiert, mag da nur ein markantes Beispiel unter vielen sein. Diese neue Form von Offenheit erfordert von der Wirtschaft ein Umdenken. Statt Gewinnstreben und Profitmaximierung werden plötzlich das Teilen, das Gemeinwohl und Solidarität zum bestimmenden Motto des wirtschaftlichen Handelns.

Ein Verwaltungsökonom mag irritiert und zugleich beglückt sein, wenn seine alltäglichen Zielvorstellungen auf die real existierende soziale Marktwirtschaft erfolgreich übertragen werden. Erleben wir gerade die Geburt einer neuen Wirtschaftsepoche, die Anke Domscheit-Berg vor kurzem erst mit „Commonism“ umschrieb? Ein Verweis auf Nick Dyer-Witheford sei hier angebracht. Wie wird sich dies auf unser Gemeinwesen, unseren Alltag und unsere Wirtschaft auswirken? Welcher Rahmen ist dazu vorzugeben?

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland muss sich vor diesem Trend die Frage stellen, welche konkreten Beiträge sie zeitnah leisten möchte. Wie soll etwa eine „Zusammenarbeit 2.0“ von Bund, Ländern und Kommunen nun mit Leben gefüllt werden? Spätestens auf der CeBIT im März 2013 wird dazu Stellung zu beziehen sein: Mit der Präsentation des gemeinsamen Datenportals govdata.de präsentieren Bund und Länder erstmals einen gemeinsamen Datenkatalog, über den die verfügbaren Datenbestände des öffentlichen Sektors erschlossen werden. Die damit verbundene und derzeit bereits geführte öffentliche Debatte über die Einführung neuer nationaler Datenlizenzen, die eine freie (open) und eine kommerzfreie (non-commercial) Variante umfassen (Schieferdecker 2013: http://open-data.fokus.fraunhofer.de/?p=2129) wird, offenbart grundlegende Differenzen zwischen der deutschen Verwaltung und der Open Data Community (siehe dazu Artikel Behörden Spiegel Online, Haselbeck 2013: http://opengovgermany.com/2013/02/04/german-government-screws-up-open-data/ sowie http://not-your-govdata.de).

Konflikte zwischen den beiden Standpunkten waren vorhersehbar. Es wird Zeit benötigen, sie zu überwinden. Schließlich gilt es doch sorgfältig zwischen Verantwortungsbewusstsein, bewährten Geschäftsmodellen der Verwaltung und einem neuen „Open-Dogmatismus“ abzuwägen. Konsequenterweise ist damit zu rechnen, dass dieses Thema 2013 noch öfters die Schlagzeilen bestimmen wird, etwa im Bundes- und Landeswahlkampf. Sicherlich wird es auch in den Wahlkampfprogrammen der Parteien Berücksichtigung finden: Bei Open Government Data handelt es sich zugegebener Maßen um das grundlegende und bislang zentrale Open Government Vorhaben von Bund und Ländern. Pragmatisch wurde 2010 mit Open Data aber nur eine infrastrukturelle Facette des offenen Regierungs- und Verwaltungshandelns (GI Memorandum 2012: http://fb-rvi.gi.de/fileadmin/gliederungen/fg-vi/FGVI-121016-GI-PositionspapierOpenGovernment.pdf) herausgegriffen und besetzt, das eine zeitnahe und erfolgsversprechende Umsetzung versprach. Im Open Government Ansatz steckt insgesamt aber noch sehr viel mehr Potential zur Öffnung von Staat und Verwaltung.

Geht es in einer Shareconomy um das Teilen, dann geht es auch um das gemeinsame Benutzen, das Abgeben und das Verteilen der gemeinsam geleisteten Beiträge sowie die Stärkung einer aktiven Beteiligung. Wie sollen künftig Kapital, Maschinen und Arbeitskräfte, insbesondere aber Daten, Informationen und Wissen untereinander in der öffentlichen Verwaltung geteilt, ausgetauscht und gemeinsam genutzt werden? Wer fühlt sich bisher dafür verantwortlich? Wer ist dafür künftig zuständig?

Die CeBIT 2013 bietet Politik und Verwaltung eine Plattform, ihre Vorschläge und Programme für eine „Shareconomy“ zu präsentieren. Minister, Behördenleiter und Politiker sollten in Hannover ihre konkreten Vorstellungen für Bund, Länder und Kommunen vorstellen. Der IT-Planungsrat denkt bereits offen über einen nationalen Cloud-E-Mail-Dienst nach. Outsourcing und Crowdsourcing, Dienstleistungszentren und Cloud Computing eröffnen viele weitere und vollkommen neue Möglichkeiten, über die sich der öffentliche Sektor in seiner ganzen Breite bisher noch viel zu wenig Gedanken gemacht hat.

In einer Studie zu Open Government Collaboration haben die Forscher der Zeppelin Universität einige überlegenswerte Vorschläge unterbreitet, die gleich auch die Bevölkerung miteinschließen könnten: Crowd Funding thematisiert etwa die gemeinsame Finanzierung von Vorhaben aus der Bevölkerung heraus. Hierzu zählen Spendenplattformen, Bürgerkredite, Bürgerstiftungen und Crowd Investments. Beim Wissensmanagement stehen der Aufbau einer gemeinsamen Wissensbasis und der gegenseitige Wissensaustausch im Mittelpunkt. Für die Projektarbeit eignen sich Cloud-Dienste zum Projektmanagement und zur Zusammenarbeit. Mehrwerte werden durch virtuelle Arbeitsräume, Brainstorming-Dienste, Terminplaner und eine gemeinsame Dokumentenablage generiert. Mit einer Öffnung der Gremienarbeit kann mehr Transparenz über Aktivitäten und Entscheidungen hergestellt werden. Elektronische Vorgangsbearbeitungs- und Aktensysteme erlauben eine dokumenten-, vorgangs- und aktenbasierte Zusammenarbeit von Institutionen. Dies ermöglicht den Auf- und Ausbau von offenen Prozess- und Wertschöpfungsketten. Mit Ehrenamtsportalen und Freiwilligenbörsen kann das Ehrenamt und das bürgerschaftliche Engagement gestärkt werden. Bürger können sich in die offene Begutachtung im Vorfeld und im Nachgang eines Verwaltungsakts einbringen. Das Internet eröffnet darüber hinaus Ansatzpunkte für Vergleichsringe und Benchmarks, offenes Monitoring sowie offene Evaluierungen des Regierungs- und Verwaltungshandelns. Neuartige Formen der offenen gemeinsamen Innovation in Staat und Verwaltung können zur Lösung konkreter Probleme sowie gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen.

Viele dieser Ansätze lassen sich zeitnah in der Bundesverwaltung, in der Landesverwaltung, in den Landratsämtern und in den Rathäusern umsetzen. Aber ist die Verwaltung für solche Schritte der Zusammenarbeit schon bereit? Oder geht es der öffentlichen Verwaltung bisher noch viel zu gut? Wie sieht es mit dem Wissen, der Kompetenz, dem Willen und dem Handeln beim Teilen konkret aus? Wie kann eine offene IT-gestützte Zusammenarbeit als Element des Verwaltungshandelns verankert, gefördert und eingefordert werden, wo dies sinn- und wertvoll erscheint? Wie vermeidet man dabei eine Ausbeutung 2.0? Diese pragmatischen Fragen sind es, auf die im Rahmen der laufenden Open Government Debatten ebenfalls Antworten erwartet werden. Die CEBIT 2013 mit ihrem Motto „Shareconomy“ bietet allen Akteuren dazu viele Gelegenheiten. Nutzen wir die Gunst der Stunde.

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Tags: IT / E-Government · Verwaltungsmodernisierung

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